Ferien am Wasser?

So schön kann Urlaub in Deutschland sein!

Wir haben für Euch die schönsten Häuser und Wohnungen direkt am Wasser gesammelt, damit der Sommerurlaub doch noch perfekt wird.

X
 Headmotiv

Aufbruch ins Ungewisse

Von den größten Seefahrern der Geschichte lernen

Foto: Sam Kapoj – 'ŌIWI TV (© 2015 Polynesian Voyaging Society)

Polynesisches Segeln – uralte Fähigkeiten und moderne Strategien

Die Erkundung der Südsee zählt zu den größten seemännischen Leistungen der Menschheitsgeschichte. Mit kleinen Booten, Auslegerkanus und Katamaranen aus Holz und Kokosfasern, brachen die frühen polynesischen Seefahrer auf in die unermesslichen Weiten des Pazifik. Ganz ohne Kompass oder Sextant gelang es ihnen, tausende unbekannter Inseln und Atolle in den Weiten des Ozeans aufzuspüren und einen „Siedlungsraum“ von 50 Millionen Quadratkilometern zu erschließen. Ihre Navigation basierte auf einer genauen Beobachtung der Naturphänomene auf dem Meer und hervorragendem Wissen über den Sternenhimmel, das rein mündlich, in uralten Gesängen von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Traditionelle Navigation

Seit etwa zweihundert Jahren versuchen Wissenschaftler mit archäologischen, anthropologischen, linguistischen und genetischen Methoden, die Migrationsreisen der polynesischen Völker zu rekonstruieren und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wie die Polynesier die entlegensten Inseln der Erde in der riesigen Wasserwüste der Südsee finden und wiederfinden konnten.

Unterwegs in den unendlichen Weiten des Pazifik

Wie genau und in welchem Zeitrahmen die Besiedlung der Inselwelt Polynesiens stattgefunden hat, ist bis heute nicht abschließend geklärt.


Nach der „Schnellzug“-Theorie drangen Seefahrer etwa um 1.500 v. Chr. von Taiwan über die Philippinen in den Raum des Inseldreiecks Tonga-Fidschi-Samoa vor und breiteten sich relativ rasch über die Inseln aus. Eine andere – als „Langsames Boot nach Polynesien“ bezeichnete – Theorie vermutet eine Besiedlung von Melanesien aus. Die Fidschi-Inseln sollen um 1.300 v. Chr. erreicht worden sein, von wo aus die weitere Ausbreitung ostwärts über Samoa und Tonga bis zur Region der Osterinsel erfolgte.

Der Völkerkundler Thor Heyerdahl hat mit seiner Kon-Tiki-Expedition gezeigt, dass eine Besiedlung Polynesiens theoretisch auch von Osten her möglich gewesen wäre. Dazu gibt es eine spannende filmische Dokumentation.


Nach einer neueren Auffassung haben bereits um 4.000 v. Chr. seefahrende Völker aus Südostasien, die Austronesier, damit begonnen, sich über die Inselgruppen des westlichen Pazifik in Richtung Osten auszubreiten, über die Salomon-Inseln um 1.100 v. Chr. Tonga und Samoa und um 300 v. Chr. die Marquesas-Inseln erreicht. Diese sollen dann Ausgangspunkt für die weitere Besiedlung des polynesischen Dreiecks gewesen sein. Nach der Auffassung hätten die Polynesier um 300 n. Chr. die Osterinsel und um 400 n. Chr. die Vulkankette von Hawaii erreicht und um 1.000 n. Chr. in Neuseeland Fuß gefasst.

Die polynesischen Inseln

Mit Kanus und Katamaranen durch die Südsee

Die Erkundung und Besiedlung der pazifischen Inselwelt ist untrennbar verbunden mit der Geschichte des Auslegerkanus. Durch die Erfindung des Auslegers (polynesisch Ama) konnte der Rumpf (Wa’a) so schmal konstruiert werden, dass sich erhebliche Geschwindigkeiten bei hoher Stabilität erreichen ließen. Die polynesischen Konstrukteure entwickelten einen einfachen, aber hochseegeeigneten Bootstyp, mit dem sie große Distanzen über das offene Meer zurücklegen und den gesamten Südseeraum erobern konnten.

Da es so gut wie keine Relikte der Kanus aus dieser Zeit gibt, sind wir für Rekonstruktionen der Boote auf die Beschreibungen und Zeichnungen, die von den Polynesiern selbst überliefert oder von den ersten Europäern in dieser Region angefertigt wurden, als Quelle angewiesen.

Tongiaki Zeichnung von 1770

Die Polynesier waren auf ihren Reisen in der Regel mit 10-20 Meter langen Doppelrumpfbooten unterwegs. Die spindelförmigen, vorn und hinten leicht nach oben gezogenen Rümpfe sorgten für eine gute Richtungsstabilität der Boote. In der Mitte trugen die Rümpfe einen kastenförmigen Aufsatz, der zugleich als Wellenbrecher und als Basis für eine die Rümpfe verbindende Plattform diente. Bei kurzen Fahrten konnten die Boote bis zu 200 Personen, bei langen Reisen etwa 50 bis 60 Personen sowie eine entsprechende Ladung Proviant befördern.

Hikianalia

Foto: © Polynesian Voyaging Society

Nach Messungen von James Cook erreichten die Boote eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von sieben bis acht Knoten, etwa 13 bis 15 Stundenkilometer. Das verdankten sie ihren glatten, schnittigen Hochleistungsrümpfen mit einer extrem glatten Außenhaut und dem sehr effektiven pazifischen „Lateinersegel“ aus Palmblattmatten. Dank der dreieckigen, fächerförmig gespreizten Längsschiffbesegelung, die vom Bug bis fast zum Heck reichte, konnte das Boot hart am Wind gesegelt werden. Bei einem unverhofft auftretenden Sturm ließ sich das Segel, das als Mattensegel ja nicht gerefft werden konnte, absenken. Zur polynesischen Segeltrechnik gehörte die Unterstützung durch zwei Steuerpaddel, die zwischen den Rümpfen eingesetzt wurden.

Ganzheitliche Navigation weist den Weg

Die größte Faszination des Themas „Polynesisches Segeln“ geht aber ohne Frage von der geheimnisvollen Navigationskunst der Polynesier aus. Wie konnten sie ganz ohne nautische Instrumente in die Weiten des Ozeans aufbrechen und dort mit traumwandlerischer Sicherheit ihre Ziele, kleine und kleinste Inseln und Atolle in einer riesigen Wasserwüste, finden und wiederfinden.

Mangels schriftlicher Überlieferung haben auch die Nachkommen der legendären Seefahrer auf Tahiti oder Hawaii nur noch eine ungefähre Ahnung davon, wie ihre Vorfahren die großartigen Törns durch die Südsee geschafft haben können.

Die Navigationskunst der Polynesier basiert, davon ist man inzwischen überzeugt, offenbar auf einer tiefen Naturverbundenheit, die durch jahrzehntelange Beobachtung des Ozeans, der Sterne, der Wind- und Strömungsrichtungen, des Vogelflugs, der Wanderrouten von Walen und Schildkröten sowie Dutzenden anderer Faktoren über unzählige Generationen hinweg entstanden ist.

Der polynesische Navigator ist sich bewusst, dass sich alles immerzu ändert – die Wellen, die Winde, die Sterne und das Wetter. Er hat alle möglichen Kombinationen im Gedächtnis und achtet unterwegs wach auf alle Anzeichen, die für den Weg bedeutsam sind.

Traditionelle Navigation 2

Es gilt als gesichert, dass die fortwährende Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen eine zentrale Rolle bei der polynesischen Navigation spielt. Die Südseefahrer kannten nachweislich mehr als 300 Sterne und Sternbilder in bestimmten Kurssektoren, die sie gedanklich über dem Ozean „ausbreiteten“. Über Gesänge und Erzählungen wurde das Wissen der Navigatoren an die nachfolgenden Generationen vermittelt.

We, the Navigators


This new edition includes a discussion of theories about traditional methods of navigation developed during recent decades, the story of the renaissance of star navigation throughout the Pacific, and material about navigation systems in Indonesia, Siberia, and the Indian Ocean.


Sea People: The Puzzle of Polynesia


A blend of Jared Diamond’s Guns, Germs, and Steel and Simon Winchester’s Pacific, a thrilling intellectual detective story that looks deep into the past to uncover who first settled the islands of the remote Pacific, where they came from, how they got there, and how we know. For more than a millennium.

Die Buchempfehlungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über den sogenannten Affiliate-Link oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler.



Eine höchst moderne Strategie: Vom entspannten Umgang mit Unsicherheit

Die Polynesier machen sich auf den Weg in der Gewissheit, ihr Ziel zu erreichen, ohne den Weg zu kennen. Sie nehmen eine steuernde Beobachterrolle ein, schauen alle Phänomene aus einer Erlebnisposition heraus an, haben den Überblick und gewinnen Zugang zu Wahlmöglichkeiten. Sie konzentrieren sich auf das, was sie gestalten können und bleiben auf Kurs.

Das ist nicht nur historisch spannend. Auch mit Blick auf unsere heutige Gesellschaft und unser modernes Leben unter bleibenden Unsicherheitsbedingungen ist diese Disposition und Fähigkeit höchst bedeutsam und hat unter der Metapher „Kunst des polynesischen Segelns“ inzwischen Einzug gehalten in das Coaching von Organisationen und Unternehmen und die systemische Therapie.

Polynesisches Segeln steht für einen kreativen Ansatz in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen, für die Fähigkeit, sich von der unbestimmten Zukunft anziehen zu lassen, Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen und zu nutzen und darauf zu vertrauen, das wir an unser ideales Ziel gelangen, auch wenn wir überhaupt nicht wissen, wie es aussehen wird. Oder um es mit einem maorischen Sprichwort zu sagen: „Bewege Dein Paddel lautlos durch das Wasser.“ So kommst Du ans Ziel.

Zwei spannende Initiativen

Wie sehr einen das Thema begeistern kann und was für fantastische Dinge daraus entstehen, zeigt der Blick auf die folgenden beiden Organisationen:

Polynesian Voyaging Society

Okeanos Stiftung

Urlaub auf den Polynesischen Inseln

Jetzt auf Deiner Merkliste speichern

Deine Merkliste

{{ bookmark.text }}
{{ bookmark.desc }}

per Mail versenden

schließen

Teile die Seite mit Deinen Freunden!

schließen