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Sealand: Vom Traum der eigenen Insel
Extreme Zeiten erfordern extreme Maßnahmen. So kann man die Entstehungsgeschichte einer „Herde“ Dinosaurier-ähnlicher Bauwerken mitten im Wasser vor der Küste Englands beschreiben. Zum Schutz gegen die Deutschen im 2. Weltkrieg gebaut, wurden sie nach dessen Ende verlassen und ihrem rostigen Schicksal überlassen. Nur eines der Forts erlebt einen zweiten Frühling als Geburtsort eines neuen klitzekleinen Staates.

- Beeindruckende Ungetüme: Die Maunsell-Seefestungen an der Themse (Foto: phault /Flickr)
Ein Relikt des 2. Weltkrieges sind die sogenannten Maunsell Seefestungen. Diese Seefestungen auf hoher See sollten die britischen Inseln vor deutschen Luftangriffen und einer Invasion schützen. Dafür wurden zwei verschiedene Typen konstruiert: Die etwas an Dinosaurier erinnernden Army Forts, welche an der Mündung der Themse platziert wurden und die größeren Navy Forts. Letztere stehen weiter von der Küste entfernt und sollten Boote und Flugzeuge bekämpfen. Nur wenige Jahre nach Ende des Krieges gab es keine Verwendung mehr – die Forts wurden stillgelegt, verlassen und rosteten vor sich hin.
Eroberungsversuche, Staatsstreiche und Flächenbrände

- Sealands Staatsflagge weht stolz im Wind (Foto: octal / Flickr)
Doch eines der größeren Navy Forts hatte noch nicht ausgedient und wurde zum Hauptschauplatz einer völkerrechtlichen Posse: 1969 „eroberte“ ein Ex-Major der Britsh Army das verlassene Fort. Anschließend wurde von ihm auf dem nunmehr „Sealand“ genannten Fort ein eigener Staat proklamiert. Der Ex-Major machte sich selber zum Fürsten und uneingeschränkten Herrscher. Das Fürstentum Sealand besteht, trotz nicht vorhandener internationaler Anerkennung, sogar heute noch. In seiner Geschichte hat es mehrere Versuche von der britischen Armee gegeben die Festung zurückzuerobern – vergeblich. Nur ein Deutscher konnte sich einst das Vertrauen des Fürsten erschleichen, wurde Premierminister und putschte während der Fürst außer Landes war – ein Staatsstreich wie er im Buche steht.

- Sealand: Das gesamte Staatsgebiet auf einen Blick (Foto: octal / Flickr)
Die deutsche Herrschaft über Sealand war aber nur von kurzer Dauer: Der Fürst konnte Sealand mit einer eigens dafür gebildeten kleinen Armee zurück erobern und sperrte die Putschisten als Kriegsgefangene ein. Die Kriegswirren in Sealand sorgten damit für eine handfeste internationale Krise: Die Bundesregierung war alarmiert und im Auswärtigen Amt wurde alles Nötige unternommen, um die Internierten auf diplomatischem Wege wieder zu befreien. Die letzte Staatskrise ereilte Sealand im Sommer 2006, als ein „kleines“ Feuer fast das gesamte Land zerstörte. Im Winter des selben Jahres waren die nötigen Reparaturen wieder abgeschlossen. Zum Glück hält die internationale Gemeinschaft hält bei solchen Katastrophen zusammen – eine Spendenaktion machte den zügigen Wiederaufbau des Fürstentums möglich.










